Strandgastronomie: Eilantrag zurückgezogen

Die Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne/SPD zieht ihren Eil-Antrag zur gastronomischen Versorgung am Nordoststrand des Berzdorfer Sees zurück, mit dem die Vergabe an einen neuen Anbieter ausgesetzt werden sollte, bis sich der Stadtrat damit befasst hat. In einem Schreiben des Oberbürgermeisters wird erklärt, dass eine Aussetzung des Vollzugs des Vergabeverfahrens aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei.

Nach Prüfung des Verfahrens komme die Stadtverwaltung zu dem Ergebnis, dass sich keine Rechtsfehler ableiten lassen, die einen Abbruch der Vergabe oder eine Neuausschreibung rechtfertigen würden. Eine Aussetzung des Vollzugs würde nach Einschätzung des Oberbürgermeisters vielmehr Schadenersatzforderungen des erfolgreichen Bieters nach sich ziehen.

Damit würde eine Beschlussfassung des Stadtrates über den eingereichten Antrag keine praktische Wirkung mehr entfalten.

Dazu erklärt die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne/SPD:

Die durchgeführte Vergabe lässt sich faktisch nicht mehr verändern. Wir hoffen, dass für die Übergangsphase und außerhalb starrer rechtlicher Rahmen eine smarte gastronomische Lösung für den Nordoststrand gefunden wird, die unterschiedliche Interessen verbindet. Wir wünschen uns, dass dieser wundervolle Ort ein Platz bleibt, an dem sich fröhliche Menschen begegnen.

Unabhängig davon erachten wir die durchgeführte Ausschreibung ohne Einbindung des Stadtrates weiter als problematisch. Nicht alles, was rechtlich Bestand hat, ist kluge Stadtentwicklung. Für die kurze Übergangszeit wäre die Frage legitim gewesen, ob man den bestehenden Vertrag verlängert, da mit dem bevorstehenden Umbau der Strandpromenade ohnehin neu ausgeschrieben werden muss.

Die Diskussion der vergangenen Tage zeigt, dass es rund um das Verfahren viele Fragen und Spekulationen gibt. Wir werden deshalb eine kritische Auswertung des Vergabeverfahrens vornehmen und die offenen Fragen, soweit rechtlich zulässig, transparent beantworten.

Gerade an einem so wichtigen touristischen Standort wie dem Berzdorfer See erwarten wir künftig ein Verfahren, das nachvollziehbar, transparent und frühzeitig politisch begleitet wird.

Der Oberbürgermeister hat in seinem Schreiben zugesagt, dass künftige Vergaben für die Strandgastronomie im Vorfeld mit dem zuständigen Ausschuss beraten werden. Dabei sollen insbesondere die Kriterien, ihre Gewichtung sowie die Ausgestaltung der Bewertungsmatrix gemeinsam erörtert werden, um die Vorstellungen der Stadtgesellschaft stärker einzubeziehen. Dies begrüßen wir ausdrücklich.

Foto: Paul Glaser

Zum angekündigten Strandbar-Aus

Mit Bedauern hat die Stadtratsfraktion Motor Görlitz / Bündnisgrüne / SPD zur Kenntnis genommen, dass der langjährige Imbiss-Betreiber „Strandbar“ aufgefordert wurde, seine Anlagen am Nordoststrand zurückzubauen. Vorausgegangen war eine Ausschreibung, die von der Verwaltung ohne Mitwirkung des Stadtrates durchgeführt wurde. Im Verfahren wurde einem neuen Anbieter der Zuschlag gegeben. Infolgedessen sollen bestehende bauliche Anlagen zurückgebaut und neue errichtet werden, obwohl in zwei bis drei Jahren für den Nordoststrand eine bauliche Weiterentwicklung vorgesehen ist. Dann sollen auch Bauten für gastronomische Angebote entstehen.

„Es ist schwer zu verstehen, warum ausgerechnet jetzt ein funktionierender Betrieb zurückgebaut werden soll“, sagt der Fraktionsvorsitzende Mike Altmann. „Wir haben uns die Unterlagen angeschaut und bewerten das durchgeführte Verfahren sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung als ungenügend.“

Zugleich kritisiert die Fraktion, dass der Stadtrat in diese Entscheidung nicht einbezogen wurde. Gerade beim Berzdorfer See als einem der wichtigsten touristischen Orte der Stadt ist eine politische Abstimmung aus Sicht der Fraktion erforderlich. „Der Berzdorfer See ist ein sensibler und zentraler Entwicklungsort für unsere Stadt. Entscheidungen über die gastronomische Versorgung an diesem Standort sollten nicht ohne politische Diskussion getroffen werden“, so Altmann.

Die Fraktion wird daher eine Beschlussvorlage in den Stadtrat einbringen, mit der das Vergabeverfahren aufgehoben werden soll. Parallel dazu wird der Oberbürgermeister aufgefordert, den Rückbau der bestehenden Anlagen vorläufig auszusetzen, bis sich der Stadtrat mit der Angelegenheit befassen konnte.

Als die AfD das ViaThea töten wollte

Am 27. März 2025 wollte die AfD das Görlitzer Straßentheaterfestival ViaThea töten. Die große Mehrheit im Rat stimmte dagegen. Wir dokumentieren unser Statement zu diesem Angriff auf das wohl schönste Görlitzer Fest.

Bei Anruf kein Taxi

Teil 5 der Reihe „Stadtratsgeflüster“. Wir beschäftigen uns mit der touristischen Entwicklung von Görlitz. Im Gespräch blicken die Stadträte Andreas Kolley und Mike Altmann sowohl zurück als auch nach vorn.

Blick nach vorn am Berzdorfer See

Teil 2 der Reihe „Stadtratsgeflüster“. Wir beschäftigen uns mit der Entwicklung am Berzdorfer See.

Berzi-Bilanz 2019-2024

Start der Reihe „Stadtratsgeflüster“. Wir beschäftigen uns mit Stadtentwicklung, Verkehr und Tourismus. Was haben wir in den letzten fünf Jahren erreicht, wo wollen wir noch hin?

Vertrauen ist wichtiger als Geld

In der Stadtratssitzung am 26. Oktober 2023 wurde die Satzung für eine Beherbergungssteuer abgelehnt. In geheimer Abstimmung votierten 16 Stadträte dagegen. Bei drei Enthaltungen stimmten nur zwölf Räte für die Vorlage der Verwaltung. Dazu erklärt die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne:

Das Abstimmungsergebnis kommt nicht überraschend. Die Ursachen reichen ins Frühjahr 2021 zurück. Damals wurde trotz Bitten von Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH und Tourismusverein nicht in Ruhe abgewogen und beraten.

Mehrgenerationenplatz für Klingewalde

Am Donnerstag beschließt der Stadtrat den Neubau eines Rastplatzes am Oder-Neiße-Radweg in Klingewalde. Er wird auch den Klingewaldern als Treffpunkt für mehrere Generationen mit Sitzgelegenheiten und Spielgeräten zur Verfügung stehen. Damit endet ein jahrelanger Kampf des Görlitzer Stadtteils erfolgreich, den die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne unterstützt hat.

Rückblick: Im Jahr 2019 wurden 520 Unterschriften gesammelt, um einen Mehrgenerationenplatz für Klingewalde zu errichten. Das ist bis heute das einzige erfolgreiche Bürgerbegehren in Görlitz. Dem Stadtrat wurde es als Einwand zum Doppelhaushalt 2019/20 vorgelegt. Daraus erging ein Arbeitsauftrag an die Verwaltung: Geeigneten Standort finden und die Bürgerinnen und Bürger von Klingewalde an der Konzeption und Gestaltung beteiligen.

Bis März 2021 passierte recht wenig. Das vorgesehene Grundstück auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr eignete sich nicht. Ersatz war nicht in Sicht. Unser Fraktionsvorsitzender Mike Altmann hielt Kontakt und traf sich mit Bürgerrätin Madlen Röder in Klingewalde. Das Thema wurde erneut an die Verwaltung herangetragen und um Berichterstattung  gebeten. Die Aussagen machten zunächst wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung, weil es sowohl am Grundstück als auch an der Finanzierung haperte.

Ein weiteres Jahr später stehen wir kurz vor dem Happy End: Ein erfolgreicher Fördermittelantrag für die Verbesserung des Oder-Neiße-Radweges sorgt dafür, dass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Gegenüber der Ziegeleiteiche entsteht ein Rastplatz für Radfahrer, der gleichzeitig den Bewohnern des nördlichen Stadtteils als Treffpunkt der Generationen dient. Außerdem wird ein rund 750 Meter langer Abschnitt des Oder-Neiße-Radwanderweges zwischen Klingewalde und der Straße „An der Autobahn“ ausgebaut. Die Gesamtkosten von knapp 425.000 Euro trägt nahezu vollständig der Bund. Görlitz wird lediglich mit 16.000 Euro belastet.

Wir bedanken uns bei den Fachleuten der Stadtverwaltung Görlitz für die kreative Lösung und bei den Akteuren in Klingewalde sowie im Bürgerrat für das „Dranbleiben“. Es ist ein Musterbeispiel, dass man mit bürgerschaftlichem Engagement etwas erreichen kann. Auch wenn es bisweilen einen langen Atem braucht.

 

Zweifel an Übernachtungssteuer bleiben

Gegen die Empfehlungen von Tourismusverbänden und IHK hat der Görlitzer Stadtrat mit knapper Mehrheit die Einführung einer Übernachtungssteuer ab 2022 beschlossen. Ein entsprechender Antrag kam von der Fraktion Bürger für Görlitz. Eine Gästetaxe, wie von Motor Görlitz/Bündnisgrüne vorgeschlagen, ist damit durchgefallen. Beide Anträge waren kurz nacheinander im Rathaus eingereicht worden. Gemeinsames Ziel: Zusätzliche Einnahmen im Umfang von etwa 500.000 Euro pro Jahr erzielen. Wesentlicher Unterschied: Die Übernachtungssteuer fließt komplett in den Haushalt und kann somit auch für Bürobedarf der Verwaltung ausgegeben werden. Der Erlös aus einer Gästetaxe ist dagegen zweckgebunden und darf nur für touristische Zwecke ausgegeben werden.

Es geht um Akzeptanz

„Wir wollen Einnahmen von Übernachtungsgästen. Dieses Geld sollen Hotels und Pensionen für uns einnehmen. Die Akzeptanz für einen solchen Aufwand steigt , wenn man weiß, dass das Geld in touristische Angebote fließt.“, sagte der Fraktionsvorsitzende von Motor Görlitz/Bündnisgrüne Mike Altmann. „Ohne diese Akzeptanz bekommen wir schlechte Stimmung.“ Darauf hatten mehrere Seiten im Vorfeld der Sitzung hingewiesen. Die IHK schrieb in einer Stellungnahme, dass sie grundsätzlich eine Übernachtungssteuer ablehnt, „da sie in den allgemeinen Haushalt fließt und eine Belastung der Beherbergungsbetriebe darstellt, die in keinem Verhältnis zu den ökonomischen Effekten für den Tourismus steht.“ Wenn überhaupt, so die IHK, wäre man zu einem späteren Zeitpunkt und bei frühzeitiger Einbindung der touristischen Anbieter mit einer Gästetaxe einverstanden. Auch der Tourismusverein hatte gefordert, dass man gemeinsam mit den touristischen Anbietern die unterschiedlichen Ansätze umfassend prüft und bewertet. Diesen Gesprächswünschen hätte der Stadtrat leicht zustimmen können. Allerdings lehnte eine Mehrheit den Antrag von Motor Görlitz/Bündnisgrüne ab, beide Anträge in die Ausschüsse zu verweisen. In der anschließenden Abstimmung votierten 18 Stadträte für die Übernachtungssteuer der BfG, 17 waren dagegen. Die entscheidende Stimme kam dabei von Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU).

Fachleute kommen nicht zu Wort

Zuvor gab es eine bemerkenswerte Debatte. Zum einen kam die Verwaltung ihrer Pflicht nicht nach, den Stadträten umfassende Informationen für ihre Entscheidung zur Verfügung zu stellen. Ausführlich reden durfte nur der Mitarbeiter aus dem Amt für Stadtfinanzen, der sich – wenig überraschend – für die Übernachtungssteuer aussprach. Nicht zu Wort kam jedoch die fachlich zuständige Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ). Weil sie sich für eine Gästetaxe ausspricht? Bemerkenswert waren auch einige Redebeiträge. Bürgermeister Michael Wieler verwies darauf, dass die Stadt seit 15 Jahren Millionen für die EGZ einsetzt, „ohne dass die Tourismuswirtschaft hier einen Cent direkt dazu beiträgt.“ Über die EGZ werde an 365 Tagen im Jahr eine Tourist-Info betrieben. „Wenn wir jetzt darüber nachdenken wollen, wie wir ein paar hunderttausend Euro für den Tourismus verwenden wollen, dann sind wir etwas fehlgeleitet. Wir haben viel für den Tourismus getan, wir haben die Stadt attraktiv gemacht, gemeinsam mit privaten Investoren und das können wir den Hoteliers und Gastronomen sagen.“ Starke Worte in Richtung einer Branche, die wie kaum eine andere durch die Corona-Pandemie gebeutelt wurde.

Vertane Chance für Tourismus

In ein ähnliches Horn stieß Prof. Joachim Schulze von der BfG-Fraktion. Er bezeichnete die Ablehnung der Übernachtungssteuer durch den Landestourismusverband als Lobbyismus: „Es geht letztlich um die Kontrolle der Einnahmeverwendung, die man gern im eigenen Tätigkeitsfeld haben möchte. Eine Privilegierung einer Branche für die Mitbestimmung erschließt sich mir nicht.“ Hundebesitzer dürften schließlich auch nicht entscheiden, wofür die gezahlte Hundesteuer verwendet wird. Unpassender Vergleich, sagt Mike Altmann: „Zur Hundesteuer gibt es keine rechtliche Alternative. Zur Übernachtungssteuer schon. Mit der Gästetaxe können Kommunen den Erlös zweckgebunden verwenden. Ob für die Tourismus-Information oder neue Toiletten, ob für Investitionen am Berzdorfer See oder Veranstaltungen wie das ViaThea – das Geld fließt in touristische Infrastruktur und Angebote. Mit klugen Beteiligungsverfahren hätten wir Akteuren aus dem Tourismus ein Mitspracherecht ermöglichen können, etwa im Rahmen eines Beirates. Dass ausgerechnet Prof. Schulze als ein geistiger Vater der Bürgerbeteiligung in Görlitz darin eine Beschneidung des Stadtrates  sieht, ist erstaunlich.“

Bürokratiemonster?

Eine weitere Begründung für die Ablehnung der Gästetaxe war, dass es sich um „Bürokratiemonster“ handele, wie Prof. Schulze sich ausdrückte. Erstaunlich, dass dennoch 53 sächsische Kommunen eine Gästetaxe haben. Nur in Dresden gibt es eine Übernachtungssteuer. Handelt es sich denn tatsächlich um „Bürokratie“? Es geht eher um kaufmännische Pflichtaufgaben. Was bieten wir in Görlitz den Touristen an? Was kostet das? In welchem Anteil werden die Angebote von Gästen genutzt? Das ist keine Bürokratie, sondern notwendige Basis für die strategische Entwicklung des Tourismus. Und zwar völlig unabhängig davon, ob man eine Gästetaxe einführen möchte. Dies war ein wesentlicher Punkt warum sich die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne für das Modell Gästetaxe entschieden hatte. „Einer Übernachtungssteuer, die ohne Gegenleistungen für Gäste und Tourismusbetriebe eingezogen wird und im großen Haushaltstopf landet, werden wir auch zukünftig nicht zustimmen“, so Mike Altmann.

 

 

Stadtrundfahrten am alten Busbahnhof konzentrieren

Zur Neuordnung der Haltestellen für Stadtrundfahrten in Görlitz zeigt sich die Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne verwundert. Fraktionsvorsitzender Mike Altmann (Motor Görlitz): „Zum einen ist es kein guter Stil des Oberbürgermeisters, den Stadtrat nicht einzubeziehen. Obwohl es seit mehreren Monaten immer wieder zu Nachfragen und Diskussionen kam, nehmen wir nunmehr über die Medien zur Kenntnis, dass es eine neue Lösung gibt. Diese erschließt sich uns allerdings nicht. Statt das Chaos zu verringern, wird es nur an unterschiedliche Stellen verteilt. Die ohnehin schon angespannte Lage rund um Obermarkt und Klosterplatz wird nicht beruhigt, sondern es werden genau dort weitere Standorte ausgewiesen. Gänzlich unverständlich ist für uns, dass es auf dem Untermarkt nun ebenfalls Haltestellen für Stadtrundfahrten geben soll. Leider hat es die Stadtverwaltung versäumt, neben den Anbietern der Stadtrundfahrten auch mit anderen Leistungsträgern zu sprechen, wie zum Beispiel mit den Gastronomen und Hoteliers am Obermarkt und Untermarkt. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist die beabsichtigte monatliche Gebühr von 50 Cent pro Quadratmeter. Jeder PKW-Nutzer, der ein Parkticket zieht, zahlt im Verhältnis deutlich mehr.“

Die Ko-Vorsitzende Dr. Jana Krauß (Bündnis 90/Die Grünen): „Unsere Fraktion schlägt vor, dass der ehemalige Busbahnhof am Kaisertrutz für Abfahrten und Ankünfte von Stadtrundfahrten vorgesehen wird. Zu prüfen wäre, ob auch der Postplatz eine mögliche Alternative darstellt. Die Gebühren sollten angemessen zum wirtschaftlichen Ertrag der Anbieter gestaltet werden. Außerdem ist der Stadtrat mit dieser Angelegenheit zu befassen. Einen entsprechenden Antrag reicht die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne im Rathaus ein.“