AfD verspottet engagierte Schüler

Das Curie-Gymnasiums Görlitz wurde im Sächsischen Landtag als „Klimaschule“ ausgezeichnet. Grundlage dafür war die Arbeit eines Projektteams aus Schülern und Lehrern. Ein Jahr lang haben sie einen Klimaschulplan erarbeitet, Projekte entwickelt, mit der Stadtverwaltung gesprochen, Maßnahmen geprüft und ihre Schule als Ganzes in den Blick genommen – von Müllvermeidung über regionale Obsttage bis hin zu Fragen der Energieeffizienz im Gebäude.

Die AfD-Stadtratsfraktion teilt nun via Facebook mit, man brauche „in Görlitz keine Klimapanik, sondern Effizienz und Sinn für das Notwendige sowie das wirtschaftlich Machbare“. Genau darum geht es bei dem Projekt. Die Schülerinnen und Schüler prüfen beispielsweise, ob ein Handtrockner ressourcenschonender ist als Papierhandtücher. Sie denken über Photovoltaik nach und stellen die Frage nach Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit. Sie organisieren regionale Obsttage mit B-Ware vom Stadtgut und verbinden Klimaschutz mit gesunder Ernährung. Das ist weder Panik noch Ideologie, sondern praktisches, verantwortungsbewusstes Handeln im eigenen Umfeld.

Ideologisch wirkt hingegen der Spott, den AfD-Fraktionschef Sebastian Wippel als Autor verbreitet. Ein Insektenhotel bauen und Äpfel holen, das sei „Grundschulniveau“. Diese Abwertung verkennt, worum es geht. Klimaschutz beginnt im Alltag. Wer Ressourcen schont, regionale Produkte nutzt, Biodiversität stärkt und Energieverbrauch hinterfragt, handelt konkret. Gymnasiale Bildung bedeutet nicht nur theoretische Debatte, sondern auch die Fähigkeit, Wissen in Handeln zu übersetzen. Genau das haben die Schülerinnen und Schüler getan.

Statt sich über das Projekt lustig zu machen, sollten wir Stadträte die Verwaltung fragen: Warum dauert es eigentlich sechs Jahre, bis ein Trinkwasserbrunnen auf dem Schulgelände errichtet werden kann? In welcher Weise verhindert die „historische Beschaffenheit des Wilhelmsplatzes“ das Aufstellen eines Insektenhotels? Und wenn dem wirklich so ist: Welche Alternativen gibt es?

Auffällig ist die rhetorische Verschiebung: Die AfD verlagert das konkrete, lokale Thema auf energiepolitische Grundsatzfragen. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht behauptet, die globale Energieversorgung neu zu ordnen. Sie haben Verantwortung für ihre eigene Schule übernommen. Wer darauf mit grundsätzlichen Systemdebatten antwortet, geht am eigentlichen Punkt vorbei und ist der eigentliche Ideologe.

Görlitz steht vor der Herausforderung, junge Menschen hier zu halten. Wir wünschen uns engagierte, kluge, verantwortungsbewusste Absolventinnen und Absolventen, die sich einbringen und ihre Stadt mitgestalten. Wenn genau diese Jugendlichen öffentlich herabgewürdigt werden, sendet das ein fatales Signal. Engagement wird nicht ermutigt, sondern klein geredet. So zertritt man Motivation.

Stadtentwicklung bedeutet auch, junge Menschen ernst zu nehmen, ihre Ideen zu prüfen und ihre Leistung anzuerkennen. Die Schülerinnen und Schüler des Curie-Gymnasiums haben Verantwortung übernommen, sich konstruktiv eingebracht und wurden dafür ausgezeichnet. Darauf kann ihre Schule und die ganze Stadt stolz sein.

Titelbild: Paul Glaser

Bild Insektenhotel: Matthias Böckel from Pixabay

Stadtratsblog #72: 29.01.2026

Der Stadtrat diskutiert eine Stunde über die Farbgebung für den Anbau der Stadthalle. Ohne dabei inhaltlich über die Farbvarianten zu sprechen. Außerdem beschließen wir, dass die GVB einen neuen Bus-Betriebshof kaufen darf.

Stadtratsblog #71: 18.12.2025

Wir beantragen erfolgreich eine Variantenuntersuchung, die prüft, wie man die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer an der Querung B99 zum Berzdorfer See verbessert. Die Untersuchungsergebnisse sollen bis Ende 2026 vorgelegt werden.

Bewohnerparken in der Nikolaivorstadt startet

Der Stadtrat hatte im April 2025 einstimmig entschieden: Die Nikolaivorstadt solle eine neue Zone fürs Bewohnerparken werden. Unser Antrag als Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne/SPD wurde nicht nur im Rat unterstützt, sondern auch vom Bürgerrat Klingewalde, Historische Altstadt, Nikolaivorstadt mitgetragen.

Ein klares Signal: Dieses Viertel braucht Entlastung.

 

Warum ist das neue Parkkonzept nötig?

Die Parkplatzsituation in der Nikolaivorstadt ist seit Jahren angespannt. Durch die Nähe zu Rathaus, Technischem Rathaus und den Büros rund um den Obermarkt wird das Wohngebiet stark von Pendlern genutzt, die kostenlose Stellflächen suchen. Gleichzeitig konkurrieren Anwohnerinnen und Anwohner mit Altstadtbesuchern – bei ohnehin knappen Parkmöglichkeiten.

Der neue Verkehrsversuch setzt hier an. Nach Abschluss aller Vorbereitungen durch die Stadtverwaltung tritt das neue Parkregime spätestens am 19. Januar 2026 in Kraft und läuft zunächst über zwei Jahre.

 

Was ändert sich?

Im Kernbereich der Nikolaivorstadt werden künftig Bewohnerparkplätze ausgewiesen. Einige Kurzzeitparkplätze – zum Beispiel in der Großen Wallstraße – bleiben erhalten, damit Kinder weiterhin problemlos gebracht oder abgeholt werden können.

Freies Parken ist weiterhin möglich entlang des Nikolaigrabens und in einem Abschnitt Am Hirschwinkel. Weitere öffentliche Stellflächen gibt es gebührenpflichtig auf dem Parkplatz Altstadt (Hugo-Keller-Straße), ein Tagesticket kostet 4 Euro.

Diese Straßen gehören zur neuen Zone NV

Bewohnerinnen und Bewohner folgender Straßen bzw. Abschnitte können künftig einen Parkausweis erhalten:

  • Am Hirschwinkel
  • Bogstraße
  • Finstertorstraße (8A–10)
  • Große Wallstraße
  • Heilige-Grab-Straße (80–86)
  • Lunitz
  • Kleine Wallstraße
  • Nikolaigraben
  • Obersteinweg
  • Rothenburger Straße (2–15 und 45–56)
  • Schanze (außer 11, 11A, 11B)
  • Steinweg

 

Wie läuft die Beantragung?

Ab sofort kann der Bewohnerparkausweis im Sachgebiet Straßenverkehr beantragt werden. Entweder persönlich (Hugo-Keller-Straße 14, Zimmer 255), per Post oder per E-Mail. Er gilt dann ab dem 19. Januar 2026 für zwölf Monate und kostet 120 Euro. Welche Details zu beachten sind, steht auf dieser Seite: https://www.goerlitz.de/news/detail/2364-Einrichtung-einer-neuen-Bewohnerparkzone-Nikolaivorstadt-NV

Stadtratsblog #70: 27.11.2025

Adventsstimmung im Stadtrat. Es jede Menge Informationen zum Nahverkehr in Görlitz und zur Neuorganisation des Tourismus. Auch ein neuer Intendant ist für das GHT in Sicht.

Stadtratsblog #69: 30.10.2025

Wie schlecht sich die AfD mit Görlitz auskennt, wurde in der Fragestunde für Stadträte deutlich. Der größten Fraktion ist der Zipfelbund nicht wirklich geläufig. Deshalb musste der OB den seit 25 Jahre bestehenden Bund ausführlich erläutern.

Stadtratsblog #68: 25.9.2025

Das Beste kommt diesmal gleich zum Beginn: OB Octavian Ursu informiert uns, dass die Stadtwerke Görlitz für das Projekt United Heat einen Fördermittelbescheid über 81,6 Millionen Euro bekommen haben. Das Projekt verbindet die vier bisherigen Fernwärmegebiete in Görlitz mit dem Netz in Zgorzelec.

Stadtratsblog #67: 28.8.2025

Emotionale Diskussionen um das Waidhaus: Für die wirtschaftliche Nutzung des ältesten Görlitzer Profanbaus braucht es eine außenliegende Feuertreppe. Für die AfD ein Sakrileg. Doch am Ende setzt sich eine Mehrheit durch, die das Gebäude nutzen will, statt es leerstehen zu lassen.

Stadtratsblog #66: 26.6.2025

Freude: Rathaus legt hohes Tempo beim Bewohnerparken für die Nikolaivorstadt an den Tag. Knifflig: Wir erleben Winkelzüge fürs Warenhaus, eingebettet in eine Entscheidung zum Einzelhandelskonzept. Funny: AfD liefert ideologische Grabenkämpfe auf einem Acker gegen PV-Anlage in Hagenwerder.

Kleingärten vs. Bauland

Flächennutzungsplan liegt aus, man kann sich nun einmischen. Zwei Görlitzer Kleingartensparten sind im Fokus: „Reuterstraße“ und „Sonnenhang“ könnten Plan-Entwurf künftig Bauflächen werden.